Erfurt. Welchen Einfluss hat die Änderung politischer Lagen im Bund oder auch in den einzelnen Ländern auf die Arbeit von Menschen im „Beamtenapparat“? Wie lässt sich die Loyalität gegenüber dem Dienstherrn mit dem eigenen Gewissen vereinbaren, wenn sich Machtstrukturen verändern? Und wie können demokratische Grundwerte geschützt werden?
Diesem – wieder – hochaktuellen Thema widmet sich der Roman „Grenzverschiebung“ von Peter Mönnig. Der Autor beschäftigt sich seit Jahren mit der Justiz im Nationalsozialismus und begleitet seit 2023 die Referendarausbildung in Rheinland-Pfalz mit Vorträgen zum NS- und SED-Unrecht. Angeregt durch einen Vortrag im Rahmen eines Seminars bei der Deutschen Richterakademie recherchierte er vertiefend über das Verhalten der führenden Mitarbeiter im Reichsjustizministerium und schrieb den 2021 veröffentlichten Roman „Grenzverschiebung“. Das Buch zeigt auf, wie Menschen und Institutionen unmerklich in autoritäre Strukturen rutschen und dabei demokratische Grundsätze aufweichen. Es erzählt, wie Machtverschiebungen und rechtliche Grenzverschiebungen erfolgen und Gleichgültigkeit gegenüber fundamentalen Rechten Raum greift.
Dieses Thema war für den Thüringer Richterbund Anlass, in Kooperation mit dem Erinnerungsort „Topf & Söhne – die Ofenbauer von Auschwitz“ im Rahmen der bundesweiten Veranstaltungsreihe „Justiz im Dialog“ am 5. März neben einer Lesung des Autors darüber zu diskutieren, ob vergleichbare Entwicklungen auch in der Gegenwart denkbar sind und welche Verantwortung Juristinnen und Juristen in einer demokratischen Gesellschaft tragen. Zentrale Fragen des Abends waren dabei: „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ und „Wie würde ich mich heute verhalten?“.
Der Abend wurde moderiert von Dr. Sebastian Haak, freier Journalist, Vorsitzender der Landespressekonferenz Thüringen und ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Thüringen. Der anschließende Empfang bot den Gästen Gelegenheit, die angesprochenen Themen weiter zu vertiefen und den Austausch zwischen Verbandsmitgliedern, Bürgern, Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Anwaltschaft, Mitarbeitenden von Gerichten und Staatsanwaltschaften, Referendarinnen und Referendaren zu intensivieren. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Justiz nicht nur eine historische Aufgabe ist, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung und Verteidigung demokratischer Strukturen in der Gegenwart leisten kann.
