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26.04.2017

Justiz im Dialog

„Unabhängigkeit und Effizienz ist entscheidender Standortvorteil“

„Wirtschaft trifft Recht bei DRB-Reihe „Justiz im Dialog“

Hamburg. „Standortvorteil Justiz – zwischen Anspruch und Wirklichkeit“: Der DRB rief, und etwa siebzig Interessierte kamen zu der von FAZ-Wirtschaftsredakteur Joachim Jahn moderierten Diskussionsveranstaltung in die renommierte Bucerius Law School. Auf ein meinungsfreudiges Eingangsstatement von Christian Graf, dem Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg, replizierten und diskutierten die Ombudsfrau der Deutschen Bahn AG Birgit Gantz-Rathmann, der VROLG Dr. Marc Tully sowie der Präsident des Hanseatischen OVG Friedrich-Joachim Mehmel. Es resümierte Dr. Martin Soppe, der Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer Hamburg.

Das Wort „Kundenzufriedenheit“ hörte man oft an diesem Abend. So konstatierte Christian Graf (Bild links) in seinem Eröffnungsbeitrag, die mittelständische Wirtschaft sei gerade in Bezug auf die „justiziellen Funktionsträger“ zufrieden. Eine unabhängige und effiziente Justiz sei ein entscheidender Standortvorteil. Er verortete das größte Problem der Justiz – in typisch unternehmerischer Diktion – im Marketing, also in ihrer Außendarstellung.

Dr. Marc Tully (Bild rechts) betonte die eigenständige Bedeutung der Justiz, die über ihre wirtschaftliche Relevanz als „Standortfaktor“ weit hinausreiche. „Wir haben aus Gründen der forensischen Wahrheitsfindung und nicht standortpolitisch entschieden“, erklärte er folgerichtig mit Blick auf den publizistisch eng begleiteten Freispruch in dem unlängst zu Ende gegangenen großen Strafverfahren um die HSH-Nordbank.

In die gleiche Kerbe schlug Friedrich-Joachim Mehmel (Bild links). „Eine Gesellschaft ist so stark wie ihr Umgang mit Konflikten“, rückte auch er die soziologische und gesellschaftspolitische Bedeutung der Justiz in den Mittelpunkt. Einer Ökonomisierung des Rechts müssten Rechtsanwälte und Richter offensiv entgegentreten. „Das Recht ist unser gemeinsames Anliegen“, man ziehe hier an einem Strang.

Frau Gantz-Rathmann (Bild rechts) resümierte nach einem bewegten Berufsleben in Justiz, Politik und Wirtschaft, der richterliche Beruf sei eine Herausforderung, die ihresgleichen suche. Jedoch behalte nicht jeder und jede über die Jahrzehnte die „Augen für die Welt“.

Dr. Martin Soppe erklärte in seiner Conclusio, seine Sorge gelte nicht dem Status Quo der deutschen Justiz. Diesen wisse er vor allem als international tätiger und mit den Rechtssystemen anderer Staaten vertrauter Rechtsanwalt zu schätzen. „Wohl kann sich schätzen, wer keine anderen Sorgen hat als englischsprachige Verhandlungen ermöglichen zu wollen“.  Seine Sorge gelte vielmehr der Frage, wie der zufrieden stellende Zustand der deutschen Justiz erhalten werden könne.

Birgit Gantz-Rathmann, Friedrich-Joachim Mehmel, Moderator Joachim Jahn, Marc Tully und Christian Graf (v.l.n.r.)

(Bilder: Kathrin Brunnhofer)