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26.03.2017

Justiz im Dialog

Klare Absage an ein Fußballstrafrecht

Sport, Recht und Sicherheit in der DRB-Reihe „Justiz im Dialog“ in München

München. Unter dem Titel „Kampfsport – Von der Fanlust am Krawall“ diskutierten am 7. Juli 2015 vier Insider darüber, wie der Stadionbesuch sicherer werden kann. Im Künstlerhaus am Lenbachplatz trafen sich der Erste Vizepräsident des DFB und Richter am Oberlandesgericht Dr. Rainer Koch, der Rechtsanwalt für Sportrecht Prof. Dr. Christoph Schickhardt, der Richter am Amtsgericht Thomas Schönig, der zugleich Mitglied des DFB-Kontrollausschusses ist, und der Münchner Polizeivizepräsident Robert Kopp. Die stellvertretende Vorsitzende des DRB, Andrea Titz, moderierte die Veranstaltung trotz des hitzigen Themas angenehm kühl und gewohnt souverän. Rund 70 Zuhörer waren der Einladung des Bayerischen Richtervereins gefolgt.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Diashow mit Szenen des jüngst völlig aus dem Ruder gelaufenen Relegationsspiels zwischen Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf. Trotz dieser verstörenden Bilder habe Deutschland in punkto Fankrawalle „keine Führungsrolle“ inne, erklärte Rainer Koch. Zur Entwarnung bestehe gleichwohl kein Anlass: „Die Loveparade ging jahrelang glatt, und plötzlich war sie da, die Katastrophe.“

Professor Schickhardt stellte die verschiedenen Maßnahmen dar, die zur Pazifizierung des Fanwesens entwickelt wurden. Das reiche vom „Pampern“ der Fangruppen über gezielte Gefährderansprachen und präventive Wohnungsdurchsuchungen bis zur Einrichtung polizeilicher Sonderkommissionen. Wenn sich der Gang vom Hauptbahnhof zum Stadion als ein „Spaziergang durchs StGB“ darstelle, dann sei die rote Linie überschritten. „Bei Straftaten darf es kein Laissez-faire geben“, forderte Schickhardt.

Mit stoischer Ruhe argumentierte Robert Kopp, der Polizist auf dem Podium. „Wir schieben keinen Frust“, rückte er den Eindruck gerade, die Polizei könne sich missbraucht fühlen. Er sehe die Polizei lediglich als Unterstützer. Die Vereine seien mit ihren Ordnungsdiensten vorrangig verantwortlich. Dass die Münchner Polizei bei den Fans als beherzt gilt, findet Kopp gut: „Die auswärtigen Fans wissen: In München nehmen sie dich fest, bevor du etwas angestellt hast …“

Einen interessanten Blick auf die fanatische Szene ermöglichte Thomas Schönig. „Die Ultras sind nicht Jugendkultur, sie haben sich auf Dauer zusammengeschlossen. Sie sind eher so etwas wie ein Stamm.“ Schönig legte aber auch Wert auf Augenmaß: „Man darf nicht vergessen, dass 99 Prozent der Stadionbesucher völlig unauffällig sind.“

In zwei Punkten bestand auf dem Podium Einigkeit. Eines „Fußballstrafrechts“ bedürfe es nicht. Und: Bei allen Bemühungen um Sicherheit müsse der Blick für das Wesentliche erhalten bleiben: Die Freude am Sport.

Thomas Schönig, Robert Kopp, Andrea Titz, Dr. Rainer Koch und Prof. Dr. Christoph Schickhardt (v.l.n.r.)

              (Foto: Tina Rieger-Gudehus - Photogenika)