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21.11.2017

Hirndoping und Schönheitsoperation – soll die Medizin jeden Wunsch erfüllen?

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03.04.2014

Das Recht auf freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit umfasst grundsätzlich das Recht, ästhetische Korrekturen am eigenen Körper vornehmen zu lassen sowie Hirndoping durch Einnahme von stimulierenden Substanzen zu betreiben. Doch sollen die Mediziner jeden Wunsch erfüllen und überdies auch noch die Krankenkasse dafür aufkommen? Auf einem interdisziplinären Workshop des Richter- und Staatsanwaltstages diskutierten Ärzte und Mediziner über die Grenzen des rechtlich und ethisch Vertretbaren.

Hirndoping oder medizinisch korrekt ausgedrückt Neuroenhancement bedeutet die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit, der emotionalen Befindlichkeit sowie der Motivationslage bei medizinisch gesunden Menschen. Hirndoping erfolgt meist durch die Einnahme von Psychostimulanzien zur Erhöhung der Konzentration und Aufmerksamkeit. „Es scheint einen Wunsch und einen Gebrauch von Neuroenhancement-Präparaten auch in Deutschland zu geben. Die Datenlage anhand von Studien ist zurzeit noch nicht ausreichend, um diese Präparate zu empfehlen oder von ihnen abzuraten“, so Prof. Dr. Isabella Heuser-Collier, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité. Sie sprach sich dagegen aus, von vorn herein Verbote auszusprechen. „Es sollte zunächst die weitere Forschung abgewartet werden.“

„Graceful aging“ statt „Anti Aging“ so lautet die Devise des Müncheners Dr. Ludger Meyer, Facharzt für Chirurgie und Plastische Chirurgie. Er betont dabei, dass er stets darauf achtet, bei ästhetischen Korrekturen der Persönlichkeit von Frauen und Männern treu zu bleiben, die zu ihm kommen. Für ihn ist maßgeblich, ob die gewünschte Korrektur einem lange gehegten und reflektierten Wunsch der Frau oder des Mannes entspricht. Immerhin beträgt inzwischen bei ihm in der Praxis das Verhältnis von Frauen zu Männern 3 zu 1.

Bei der Vorstellung seiner Behandlungsbreite ist so mancher Teilnehmer des Workshops
versucht, im Anschluss an den Richter- und Staatsanwaltstag die Reise nach München
anzutreten.

Die Juristen weisen darauf hin, dass eine intensive Aufklärung bei der Verschreibung von
Neuroenhancement-Präparaten oder bei der Durchführung nicht medizinisch indizierter
Schönheitsoperationen erforderlich ist. Bei der Verschreibung von Neuroenhancement-
Präparaten handelt es sich um einen Off-Label-Use, so dass eine entsprechende
Aufklärung geboten ist.

Aber klar ist in der gesamten Diskussion: Die Krankenkassen müssen weder für
medizinisch nicht indizierte Schönheitsoperationen noch für die Verschreibung von
Neuroenhancement-Präparaten bei gesunden Menschen zahlen. Auch die Folgekosten
bei fehlgeschlagenen Schönheitsoperationen trägt die Solidargemeinschaft nicht in vollem
Umfang. Der Krankenversicherte muss sich nach dem Gesetz an den Kosten beteiligen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Elisabeth Sift, Pressesprecherin des DRB,
Telefon: 030/20 61 25-12, E-Mail:
sift(at)drb.de