Sie sind hier: www.drb.de > Pressemeldungen > 2011
27.07.2017

Stärkung des Jugendstrafrechts durch Regel-Besetzung der großen Jugendkammern mit drei Berufsrichtern

11/11

21.09.2011

Der Deutsche Richterbund begrüßt die Initiative Schleswig-Holsteins, für Strafverfahren vor einer großen Jugendkammer in der ersten und in der Berufungsinstanz eine Besetzung mit drei Berufsrichtern vorzusehen. Erstmals bekennt sich eine Landesregierung dazu, die anerkannten Vorzüge einer Dreierbesetzung in der Hauptverhandlung nicht hinter fiskalische Belange zurück zu stellen.

Die Strafverfahren gegen Jugendliche / Heranwachsende vor der großen Strafkammer befassen sich regelmäßig mit dem Vorwurf schwerer Straftaten. Deren Aufklärung weist häufig beweis- und verfahrensrechtliche Probleme auf. Darüber hinaus aber ist das Jugendstrafrecht in besonderer Weise dem Erziehungsgedanken verpflichtet. Es muss sich deutlich intensiver mit der Person des Angeklagten und der für ihn angemessenen Sank-tion im Fall seiner Verurteilung befassen. Dafür muss in den Jugendkammern aber nicht nur besonderer pädagogischer, kriminologischer und sozialwissenschaftlicher Sachverstand vertreten sein. Das Verfahren muss auch den Raum lassen, diesen Sachverstand anwenden zu können, ohne dass die Schnelligkeit des Verfahrens und die Gründlichkeit der Tataufklärung darunter leiden. Dem kommt die Besetzung mit drei Berufsrichtern mit der Möglichkeit einer breiteren Aufgabenverteilung entgegen, die es zudem erlaubt, junge richterliche Kolleginnen und Kollegen in einer mit zwei weiteren erfahrenen Richtern besetzten Kammer fortzubilden.

Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes Christoph Frank: "Die generelle Dreierbesetzung der großen Jugendkammer ist aufgrund der Komplexität eines jugendstrafrechtlichen Verfahrens geboten. Die dadurch mögliche bessere Befassung mit dem Tatgeschehen, dem jungen Angeklagten und der erzieherisch gebotenen und wirksamen Sanktion kommt dem Angeklagten und der Gesellschaft zu Gute. Eine Kammer, deren Besetzung mit drei Richtern eine bessere Aufgabenverteilung in der Hauptverhandlung erlaubt, erhöht die Treffsicherheit bei der Suche nach der richtigen erzieherischen Reaktion. Dies vermeidet Rückfälle und neue Straftaten, deren volkswirtschaftliche Kosten die mögliche fiskalische Mehrbelastung der Justizhaushalte durch die generelle Dreierbesetzung mehr als ausgleicht."


Der Deutsche Richterbund ist der größte Berufsverband der Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte in Deutschland und deren Spitzenorganisation. 25 Landes- und Fachverbände mit rund 14.000 Mitgliedern (bei rund 25.000 Richtern und Staatsanwälten insgesamt) vereinigen sich unter seinem Dach. Der Deutsche Richterbund vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Regierungen, Parlamenten und Öffentlichkeit.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Philipp Iza Schilling, Bundesgeschäftsführer des DRB, Tel.: 030/20 61 25-0, Fax: 030/20 61 25-25, E-Mail: info@drb.de.