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29.08.2016

Zur Geschichte des DRB

Am 28. Juni 1908 beschlossen auf Initiative des Bayerischen Richtervereins verschiedene auf Länderebene bereits bestehende Vereine von Richtern und Staatsanwälten ihren korporativen Zusammenschluss im Deutschen Richterbund zum 1. Januar 1909. Sitz des neu gegründeten Verbandes war München. Von Anfang an setzte sich der Deutsche Richterbund besonders für die Gewährung voller sachlicher und persönlicher Unabhängigkeit für die (damals noch beamteten) Richter ein. Nur diese konnte die Gewähr für eine vor jeglicher Einflussnahme anderer Staatsorgane geschützte, allein dem Recht und der Gerechtigkeit verpflichtete Rechtsprechung bieten. Daneben beteiligte sich der Deutsche Richterbund von Anfang an tatkräftig an der Entwicklung insbesondere der grundlegenden Justizgesetze (Gerichtsverfassungsgesetz, Straf- und Zivilprozessordnung) sowie des materiellen Straf- und Zivilrechts.
Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vollzog sich die unrühmliche "Gleichschaltung" des Deutschen Richterbundes. Nachdem er zuvor korporativ dem "Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen" beigetreten war, löste sich der Verband mit Ablauf des Jahres 1933 auf.
Widerstände im Deutschen Richterbund hat es dagegen kaum gegeben, statt dessen offene oder konkludente Zustimmung. Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ist zugleich auch das dunkelste Kapitel des Deutschen Richterbundes.
Nach dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland lange Zeit verdrängt, wurde das Versagen der Justiz und des Verbandes während der Nazi-Zeit erst in den siebziger und achtziger Jahren offen und selbstkritisch diskutiert. Den Höhepunkt dieser Debatte bildete im Jahre 1984 die vielbeachtete Ansprache des seinerzeitigen Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes, Helmut Leonardy, anläßlich einer Feier zur 75. Wiederkehr der Gründung des Deutschen Richterbundes.
Erst am 27. Oktober 1949 kam es zur Neugründung des Deutschen Richterbundes auf dem Gebiet der (alten) Bundesrepublik Deutschland. Vordringliches Ziel war es jetzt, alsbald die Verabschiedung der vom Grundgesetz vorgeschriebenen besonderen Richtergesetze im Bund und in den Ländern zu erreichen; diesen sollte die Regelung der Einzelheiten der besonderen Rechtsstellung der Richter vorbehalten sein. In gleicher Weise konzentrierte sich der Deutsche Richterbund auf die Schaffung und Fortentwicklung rechtsstaatlicher Gesetzgebung in der Bundesrepublik Deutschland. Hier liegt bis heute ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit.
1975 nahm der Deutsche Richterbund seinen Sitz in Bonn.
Nachdem nach Vollendung der Einheit Deutschlands auch in den ostdeutschen Bundesländern Vereine von Richtern und Staatsanwälten entstanden und Mitglieder im Deutschen Richterbund geworden waren, wurde 1996 förmlich der Beschluss gefasst, den Sitz des Verbandes nach Berlin zu verlegen. Dort befindet sich seit dem 1. März 1999 die Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Richterbundes.

Dokumente


Begrüßungsansprache des ehemaligen Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes Helmut Leonardy aus Anlass der 75. Wiederkehr des Gründungstages des DRB
Der Deutsche Richterbund im Jahre 1933, DRiZ 5/1983


Links


Die ehemaligen Bundesvorsitzenden des Deutschen Richterbundes von 1909 bis 2007

Justiz und Recht im Wandel der Zeit - Festgabe 100 Jahre Deutscher Richterbund