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31.8.2014

Rainer Voss - Bundesvorsitzender von 1992 bis 2001

Rainer Voss wurde am 2. Februar 1941 in Düsseldorf geboren. 1962 legte er sein Abitur ab und nahm zunächst ein Medizinstudium, später das Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Mainz auf. Im Jahre 1967 legte er das erste juristische Staatsexamen ab, im Jahre 1971 das zweite. 1972 wurde er Gerichtsassessor und zunächst im Bezirk des Landgerichts Düsseldorf tätig. Ab 1973 übernahm Rainer Voss Aufgaben im Deutschen Richterbund. 1975 wurde er zum Richter am Landgericht Düsseldorf ernannt. Seit 1977 war Voss im Präsidium des Deutschen Richterbundes. Dort kümmerte er sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, war verantwortlicher Redakteur der Deutschen Richterzeitung und gestaltete diese um. In den Jahren 1977 und 1978 war er Vorsitzender der für die Erarbeitung der justizpolitischen Leitlinien des Deutschen Richterbundes zuständigen Kommission. Am 12. Mai 1980 wurde er in Saarbrücken zum stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes gewählt und blieb in diesem Amt bis 1992. 1987 wurde er zum Vizepräsidenten der internationalen Richtervereinigung gewählt und behielt dieses Amt bis 1994. 1988 wurde er zum Vorsitzenden Richter am Landgericht Düsseldorf ernannt und übernahm eine Zivilkammer. Von 1989 bis 1994 war Voss Vorsitzender der europäischen Richtervereinigung, an dessen Gründung er entscheidend mitgewirkt hatte. Auf der Vertreterversammlung im Schloss Banz in Staffelstein/Bayern wurde Voss am 30. April 1992 zum Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes gewählt. 1994 übernahm Voss den Vorsitz der internationalen Richtervereinigung und wurde deren Präsident. Seit 1996 ist er Ehrenpräsident der internationalen Richtervereinigung. Rainer Voss ist verheiratet und hat einen Sohn. Er initiierte die Aktion "Richter und Staatsanwälte an die Schulen" und wurde Mitglied im Kuratorium der Stiftung "Justice for the world". Während seiner Tätigkeit als Vorsitzender des DRB war Voss mehrfach zu Stellungnahmen zum Umgang mit den Medien veranlasst. So warnte Voss anlässlich der polemischen Berichterstattung zum "Kruzifix-Beschluss" des Bundesverfassungsgerichtes vom 16. Mai 1995, der feststellte, dass die bayerische Anordnung zum Aufhängen von Kruzifixen in Klassenzimmern gegen die negative Bekenntnisfreiheit verstoße, vor Ansehensverlust nicht nur des Bundesverfassungsgerichtes, sondern der Justiz allgemein. Im Juli 1995 wurde in Wien der Weltverband der Staatsanwälte (International Association of Prosecutors) gegründet. Kurz nach der Gründung trat der DRB diesem Weltverband als Mitglied bei. Der Richtertag am 25. September 1995 in Mainz ging mit der Verleihung des 3. Menschenrechtspreises an Hüsnü Öndül, einen türkischen Rechtsanwalt, einher. Voss forderte auf dem Richtertag, Einsparungen mit Augenmaß vorzunehmen und sorgfältig deren mittel- und langfristigen Folgen zu beachten. Der Rechtsstaat sei zum Nulltarif nicht zu haben und dies müsse die Politik den Bürgern deutlich sagen, statt ihnen Rechte zuzugestehen, die mit einer "magersüchtigen Justiz" nicht durchzusetzen seien. Später stellte Voss klar, die Behauptung, die Justiz urteile zu milde, lenke lediglich vom Versagen der Politik ab, denn die Justiz könne die Fehlentwicklungen in der Gesellschaft nicht stellvertretend für andere korrigieren und die Rahmenbedingungen für die Verhinderung von Kriminalität müsse die Politik schaffen. Dauerthemen waren für Voss die Situation der Kollegen in den neuen Bundesländern, die vor allem im Hinblick auf die Besoldung als unzureichend empfunden wurde, die Entlastung der Justiz, die von Voss als Versuch der Entlastung des Fiskus eingeschätzt wurde, sowie die Reform des öffentlichen Dienstrechts. Der Einsatz neuer Medien beschäftigte den DRB in mehrfacher Hinsicht. So wurde zum einen die Durchführung von Videokonferenzen befürwortet, weil damit die Belastung von Zeugen vermieden und das Verfahren beschleunigt werden könne. Zum anderen richtete der Deutsche Richterbund 1998 eine Homepage ein, in der regelmäßig auch über die Tätigkeit des Präsidiums berichtet wird. Das große Engagement Voss' für die Kolumbienhilfe zeigte er durch Besuche in Kolumbien und Chile, in denen er sich ein deutliches Bild von den Zuständen vor Ort machen konnte. Voss bereitete intensiv den Umzug des Deutschen Richterbundes nach Berlin vor. Seit dem 1. März 1999 befindet sich der Deutsche Richterbund im eigenen Hause im Herzen Berlins in der Kronenstraße 73/74. Unter dem Vorsitz Voss' fand der 17. Richtertag in Karlsruhe vom 4. bis 6. Oktober 1999, und damit nahezu 50 Jahre nach der Wiedergründung des DRB, statt. "Justiz - Aufbruch oder Abbruch?" war das Thema. Neben der Justizstrukturreform stand die Europäisierung der Justiz mit den Folgen für die Strafverfolgung im Vordergrund. Als Ehrenvorsitzender ist Rainer Voss noch heute dem Deutschen Richterbund eng verbunden.