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27.8.2014

Dr. Franz Joseph Pelz - Bundesvorsitzender von 1987 bis 1992

Dr. Pelz wurde am 4. Oktober 1937 in Kirchhellen/Westfalen geboren. Nachdem er 1957 in Dorsten das Abitur erlangt hatte, begann er mit dem Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau und Münster. Das erste juristische Staatsexamen legte er 1961 in Hamm ab. Dr. Pelz promovierte im Jahre 1966 an der Universität Münster zum Thema "Die Vormundschaft in den Stadt- und Landrechtsreformationen des 15. und 16. Jahrhunderts und das zeitgenössische gemeine Recht". 1967 legte er in Düsseldorf das zweite juristische Staatsexamen ab. Die Assessorenzeit verbrachte er am Landgericht Münster und verschiedenen Amtsgerichten, bevor er 1971 zum Landgerichtsrat in Münster ernannt wurde. Seit 1973 engagierte sich Dr. Pelz im Vorstand des Richtervereines Nordrhein-Westfalens. Die Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht erfolgte 1977. Dr. Pelz war Mitglied eines Zivilsenates am Oberlandesgericht Hamm. Von 1979 bis 1982 war Dr. Pelz Vorsitzender des Bezirksrichterrates beim Oberlandesgericht Hamm. Am 12. Mai 1980 wurde Dr. Pelz in Saarbrücken in das Präsidium des Deutschen Richterbundes gewählt und behielt dieses Amt bis 1982. Von 1982 bis 1987 übernahm er den Vorsitz des Richtervereins Nordrhein-Westfalens. Von 1983 bis 1986 war er Vorsitzender des Hauptrichterrates der ordentlichen Gerichtsbarkeit des Landes Nordrhein-Westfalen. Am 24. Juli 1992 wurde er zum Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Hamm ernannt. Die Wahl Dr. Pelz' zum Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes erfolgte am 5. März 1987 durch die Vertreterversammlung in Bonn-Bad Godesberg. Auf dem 14. Deutschen Richtertag, der vom 18. bis 20. Mai 1987 in Hamburg stattfand und das Thema "Richter und Staatsanwälte im Dienst für den Bürger" behandelte, zeichnete Dr. Pelz das Bild des "5-Minuten-Richters", der fließbandartig seine Fälle bearbeitet, ohne noch die Menschen hinter den Akten wahrzunehmen. In seine Amtszeit fiel die Wiedervereinigung. Dr. Pelz bezog entschieden Position gegen die häufig geäußerte Ansicht, eine pauschale Entlassung von Richtern und Staatsanwälten aus dem Gebiet der ehemaligen DDR müsse erfolgen, und bezeichnete solche Absichten als eines Rechtsstaates unwürdig. Sein Anliegen war es, die dauerhafte Begleitung der Justiz in den neuen Bundesländern durch berufserfahrene Kolleginnen und Kollegen aus den alten Bundesländern sicherzustellen. Unter dem Vorsitz Dr. Pelz' erfolgte die Aufnahme der Richtervereine der Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen als neue Mitgliedsvereine im Deutschen Richterbund. Thematisch befasste sich der DRB unter dem Vorsitz Dr. Pelz' erstmalig mit Möglichkeiten und Grenzen von Absprachen im Strafverfahren. Der Deutsche Richterbund rief im November 1989 die Hilfsaktion für die Hinterbliebenen ermordeter und die Unterstützung unmittelbar todesbedrohter Kolleginnen und Kollegen in Kolumbien ins Leben, die noch heute erfolgreich fortgesetzt wird. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 15. Deutschen Richtertages, der vom 23. bis 25. September 1991 in Köln stattfand, wurde in Anwesenheit des Bundespräsidenten erstmals der vom DRB gestiftete Menschenrechtspreis verliehen. Erster Preisträger war der peruanische Rechtsanwalt Augusto Zuniga Paz. Danach folgte die Verleihung alle zwei Jahre. Der Preis soll eine Würdigung derer bedeuten, die unter Einsatz ihres Lebens, ihrer Gesundheit oder ihrer persönlichen Freiheit oder unter Inkaufnahme sonstiger schwerer persönlicher Nachteile für die Wahrnehmung und Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien eintreten, insbesondere sich für Menschen einsetzen, die verfolgt oder benachteiligt werden. Nachdem Dr. Pelz, der verheiratet war und drei Kinder hatte, nicht mehr für den Vorsitz kandidierte, blieb er dem Deutschen Richterbund als Ehrenvorsitzender verbunden und bereicherte durch seine Aufsätze unter anderem zum Arzthaftungsrecht die Deutsche Richterzeitung.
Nach schwerer Erkrankung verstarb Dr. Pelz am 13. Dezember 2008.