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30.7.2014

Helmut Leonardy - Bundesvorsitzender von 1980 bis 1987

Helmut Leonardy wurde am 5. Juli 1925 in Beckingen/Saar geboren. Nach Ableisten des Kriegsdienstes und Kriegsgefangenschaft nahm er in Saarbrücken das Studium der Rechtswissenschaften auf. 1956 bestand er das zweite Staatsexamen und wurde zunächst bis 1959 an das saarländische Justizministerium abgeordnet. Während dieser Zeit, 1957, wurde Leonardy zum Landgerichtsrat ernannt. 1960, im Alter von 34 Jahren, nahm er die richterliche Tätigkeit als Mitglied einer Zivilkammer beim Landgericht Saarbrücken auf. Schon zu dieser Zeit engagierte sich Leonardy im Deutschen Richterbund. Von 1960 bis 1965 unter dem Vorsitz Dr. Meuschels war er Schriftführer. 1964 wurde er zum Richter am Oberlandesgericht Saarbrücken ernannt. 1965 wurde Leonardy Vorsitzender des Saarländischen Richtervereins und trat in den Bundesvorstand des Deutschen Richterbundes ein. Den Vorsitz des Saarländischen Richtervereins hatte er bis 1975 inne. Ab 1970 arbeitete er in der Familienrechtskommission des Deutschen Richterbundes mit und übernahm dort auch den Vorsitz. Die Familienrechtsreform konnte er so entscheidend mitprägen. 1972 wurde Leonardy Senatspräsident des Oberlandesgerichtes Saarbrücken. Seit 1975 war er Mitglied im Präsidium des Deutschen Richterbundes. Er wurde in Saarbrücken zum Präsidiumsmitglied gewählt und übernahm den Vorsitz der neu gegründeten Kommission für das Zivilrecht, nachdem die Familienrechtskommission aufgelöst worden war. Im Jahre 1977 wurde Leonardy zum Vizepräsidenten des Oberlandesgerichtes Saarbrücken ernannt. In diesem Jahr wurde er auch zum Vizepräsidenten der Zivilrechtskommission der internationalen Richtervereinigung gewählt. Ab 1980 übernahm er seine Tätigkeit als Mitglied des Verfassungsgerichtshofes des Saarlandes. Am 7. November 1980 wurde er zum Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes gewählt und am 3. Oktober 1980 zum Vizepräsidenten des Zentralrates der internationalen Richtervereinigung. Leonardy stand dem 13. Deutschen Richtertag vor, der vom 25. bis 27. April 1983 in München stattfand und das Thema "Grenzen der Rechtsgewährung" behandelte. Anlässlich seiner Rede zur Feier des 75-jährigen Bestehens des Deutschen Richterbundes stellte Leonardy klar, dass es sich um eine Feier der 75. Wiederkehr der Gründung des DRB handele und erinnerte an die Auflösung des Verbandes zum 31. Dezember 1933 und die Wiedergründung am 27. Oktober 1949. Leonardy ging hart mit der Vergangenheit des DRB ins Gericht und machte deutlich, dass es vor der Machtergreifung zahlreiche Vorzeichen gab, die den DRB hätten zu entschlossenen Stellungnahmen und Reaktionen veranlassen müssen. Die Gründe für das Ausbleiben jeder kritischen Reaktion sah er durchaus vielschichtig, insbesondere in "Rechtstreue, die sich in krassen Positivismus gesteigert" habe, in "parteipolitischer Neutralität, die zu Politikferne pervertiert" sei und in "Politikblindheit, die sich zu staatsbürgerlicher Demenz" ausgewachsen habe. Er formulierte seine Vorstellung vom Richter als dem politisch bewussten dem freiheitlichen Rechtsstaat verpflichteten Staatsbürger, der in seinem Beruf nach bestem Wissen und Gewissen Recht spricht und nicht Politik betreibt. Helmut Leonardy wurde zum Präsidenten des Landgerichtes Saarbrücken ernannt. Hier setzte er sich mit ethischen und juristischen Fragen des Sterbens auseinander. Er war verheiratet und hatte zwei Töchter. Nach schwerer Krankheit verstarb er am 5. Februar 1987 und wurde am 10. Februar jenes Jahres in Saarbrücken beigesetzt.