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23.8.2014

Bernhard Drees - Bundesvorsitzender von 1967 bis 1973

Bernhard Drees wurde am 4. Oktober 1912 in Warendorf/Westfalen geboren. Das Studium der Rechtswissenschaften absolvierte er an der Universität Münster und legte 1935 vor dem Prüfungsamt beim Oberlandesgericht Hamm das Referendarexamen ab. Das zweite Staatsexamen bestand er 1939 in Düsseldorf. Nur kurze Zeit konnte Drees als Assessor tätig sein, bevor er zum Wehrdienst eingezogen wurde. Er leistete seinen Dienst als Soldat an der Ostfront, wurde im Januar 1944 schwer verwundet und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Erst im August 1945 kehrte er wieder nach Hause zurück. Anfang 1946 wurde er zum Landgerichtsrat in Münster ernannt. Er machte sich die Ausbildung des juristischen Nachwuchses zum Anliegen und war über 10 Jahre als Leiter einer Arbeitsgemeinschaft für Referendare tätig, seit 1951 auch als Prüfer zum ersten und zweiten juristischen Staatsexamen. 1952 folgte die Ernennung zum Oberlandesgerichtsrat und schließlich 1958 zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Hamm. Seit Oktober 1960 war Drees als Landgerichtspräsident am Landgericht Düsseldorf tätig. Auf der Vertreterversammlung des Deutschen Richterbundes am 24. November 1967 in Göttingen wurde Bernhard Drees zum Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes gewählt. Drees wurde als Mitarbeiter im Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch von Erman sowie als Mitherausgeber der Kommentierung zum Straßenverkehrsrecht gemeinsam mit Kukuk und Werny bekannt, dessen Auflage bis 1988 fortgesetzt wurde. Mit der Übernahme des Vorsitzes durch Drees, der verheiratet war und vier Kinder hatte, wechselte die Heimat des Deutschen Richterbundes von München nach Düsseldorf. In die Amtszeit Drees’ fielen heftige Auseinandersetzungen innerhalb der Richterschaft, die fast zur Spaltung des Deutschen Richterbundes führten, jedenfalls aber zu Zerwürfnissen zwischen dem Bundes- und den Landesverbänden. In der ausklingenden Adenauer-Ära wurde die Frage des Selbstverständnisses der Richterschaft sowie Zulässigkeit und Grenzen der politischen Betätigung der Richter diskutiert. Eine Kundgebung des DRB am 15. Mai 1968 zum Thema "Die dritte Gewalt im Kräftespiel der demokratischen Gesellschaft" in Bad Godesberg, an der etwa 800 Richter und Staatsanwälte teilnahmen, rief eine Fernsehberichterstattung unter der Schlagzeile "Deutsche Richter und Staatsanwälte wollen erstmals in der Geschichte streiken!" hervor. Ziel der Kundgebung war es, die Dringlichkeit der Schaffung eines besonderen Besoldungsgesetzes zu unterstreichen. Drees gelang es, die Interessen zwischen Reformwilligen und denen, die an Bewährtem festhalten wollten, zu vereinen. Besonderer Reformbedarf wurde im Amtsrecht der Richter und Staatsanwälte, im Prozessrecht und der Gerichtsverfassung gesehen. Die Leitlinien des DRB zum Richteramts- und Gerichtsverfassungsrecht wurden nach harten Debatten von der Vertreterversammlung in Wiesbaden am 29. November 1968 angenommen. Verwirklicht wurden nur die einheitliche Richteramtsbezeichnung und die Präsidialverfassung der Gerichte und das auch erst 1972. Die Forderung nach Einführung von Richterwahlausschüssen blieb unberücksichtigt. Die internationale Richtervereinigung hielt 1969 in Berlin einen internationalen Richterkongress ab, der vom DRB vorbereitet und unterstützt wurde. Am 6. November 1969 hielt Drees auf der Feier anlässlich des 60-jährigen Bestehens des DRB in Bonn die Eröffnungsrede, in der er seine Vorstellungen für die Zukunft formulierte. Richter und Staatsanwälte sollten sich nicht hinter ihre Schreibtische zurückziehen, sondern ihre Fähigkeiten aktiv und nutzbringend in politischen, kulturellen, karitativen und anderen Bereichen einbringen, um damit die Fremdheit zwischen Richter und Bürger ab- und zugleich Vertrauen und Verständnis aufzubauen. Er wies darauf hin, dass hierzu auch die Unterstützung der Justizverwaltung erforderlich sei, die mit zweckgerichteter und zielbewusster Öffentlichkeitsarbeit die Schwierigkeiten und die Verantwortung, vor der Richter und Staatsanwälte immer stünden, verständlich machen könnte. Das Vertrauen der Bürger in die Rechtsprechung sei der sicherste Garant für den Rechtsfrieden und eine der tragenden Säulen der rechtsstaatlichen Ordnung. Nach der Abgabe des Amtes des Vorsitzenden wurde er zum Ehrenmitglied des Deutschen Richterbundes ernannt. Drees verstarb am 4. April 1999 im Alter von 86 Jahren.