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22.9.2014

Heinrich Barth - Bundesvorsitzender von 1965 bis 1967

Heinrich Barth wurde am 19. Februar 1921 als Sohn eines Baumeisters in Westendorf nahe Augsburg geboren. Nach Abschluss der Schulbildung wurde er 1940 zum Arbeits- und Wehrdienst eingezogen. Er kam an der Ostfront zum Einsatz, wo er 1941 in Russland schwer verwundet wurde und Ende Dezember 1943 aus der Wehrmacht entlassen wurde. Barth nahm 1942 vom Lazarett aus das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität München auf. Die erste Staatsprüfung bestand er 1945 und legte 1948 die zweite Staatsprüfung ab. Am 1. August 1948 wurde er zum Gerichtsassessor ernannt und bis zum Sommer 1950 als Hilfsarbeiter beim Oberlandesgericht München verwendet. Anschließend war er bis Ende 1952 als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft München I tätig. Von Januar 1953 an wirkte er als Amtsgerichtsrat am Amtsgericht München. Zu dieser Zeit wurde er vom damaligen Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes Dr. Konrad zur Mitarbeit in der Geschäftsführung des Deutschen Richterbundes zugezogen. Diese Mitarbeit leistete Barth auch unter den Vorsitzenden Dr. Grosser und Dr. Meuschel. Im Oktober 1961, als der Deutsche Richterbund noch in München beheimatet war, übernahm Barth nach der Wahl durch die Vertreterversammlung in Bamberg zunächst das Amt des Kassenführers und wirkte zuletzt als erster Geschäftsführer. Hier oblag ihm sowohl die Fertigung der Stellungnahmen und Entwürfe des Deutschen Richterbundes zu Gesetzgebungsvorhaben wie auch die Koordinierung der Arbeitsergebnisse der Kommissionen. Am 1. März 1965 wurde Heinrich Barth zum Landgerichtsdirektor beim Landgericht München I ernannt. Hier war er als Vorsitzender einer Zivilkammer tätig. Nachdem der bisherige Vorsitzende des Deutschen Richterbundes Dr. Meuschel aus gesundheitlichen Gründen für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stand, wählte die Vertreterversammlung des Deutschen Richterbundes in ihrer Sitzung vom 6. November 1965 in Hamburg Heinrich Barth zum Vorsitzenden. Inhaltlich befasste sich der Deutsche Richterbund in der Amtszeit Barths mit der Richterbesoldung, Fragen der Amtsbezeichnung, Abschaffung des Beiwerkes an der Amtstracht sowie der Änderung des Deutschen Richtergesetzes. Auch die Errichtung einer Richterakademie wurde diskutiert. Die Große Justizreform, deren Ziel unter anderem der durchgängige dreistufige Gerichtsaufbau war, wurde weiter vorangetrieben. Barth wies stets auf die Aufgabe des DRB hin, für die Annäherung der Bürger und der dritten Gewalt zu arbeiten. Hierzu hielt er es für geboten, Rechtskunde als Pflichtfach bereits an Grundschulen zu unterrichten, um damit jungen Menschen zu verdeutlichen, dass Strafrecht nur ein kleiner Teil des Rechtes und für das tägliche Leben eher von untergeordneter Bedeutung gegenüber dem Vertragswesen, Familien-, Miet- und Erbrecht sei. Ebenso energisch forderte er die Einrichtung eines "Tages des Rechtes", nicht in der Absicht, einen zusätzlichen Feiertag, sondern um die Möglichkeit zu schaffen, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedeutung einer freiheitlichen Rechts- und Gerichtsordnung zu schärfen und diese Bedeutung durch Beiträge in allen Medien nahe zu bringen. Barth wies auf den Umstand hin, dass Bürger oft zwischen Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht unterschieden und unbefriedigende gesetzliche Regelungen der Justiz anlasteten. Seit dem Jahre 1963, wo auf dem Richtertag in Kassel der Umgang mit den Medien thematisiert wurde, sei die Zusammenarbeit zwar partiell verbessert, aber noch nicht optimiert worden. Der DRB gab daher einen Leitfaden für Gerichtsberichterstatter heraus, der im Hinblick auf Änderungen der Strafprozessordnung stets überarbeitet werden sollte. Auf dem Richtertag 1966 in Saarbrücken zum Thema "Gegenwartsprobleme der Dritten Gewalt" wurde die Forderung nach wirksamer Mitsprache der Richter bei Einstellungen ebenso erhoben, wie die Forderung nach Mitspracherechten der Richter an der Aufstellung des Justizetats und der Haushalte der Gerichte. Nachdem Heinrich Barth aufgrund des Beschlusses der Vertreterversammlung, die Geschäftsführung von München nach Nordrhein-Westfalen zu verlegen, den Vorsitz des Deutschen Richterbundes abgegeben hatte, wurde er zum Ehrenmitglied des Deutschen Richterbundes ernannt. Mit Wirkung zum 1. Januar 1968 wurde er Vizepräsident des Landgerichtes München I. Seit 1973 bekleidete Heinrich Barth das Amt des Landgerichtspräsidenten des Landgerichts München I. Barth verstarb am 16. Oktober 2006 im Alter von 85 Jahren.