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20.10.2014

Dr. Hans Meuschel - Bundesvorsitzender von 1960 bis 1965

Dr. Meuschel wurde am 4. Januar 1904 als Sohn eines Richters in Würzburg geboren. Rechtswissenschaften studierte er an den Universitäten von München, Freiburg im Breisgau und Würzburg. Die erste Staatsprüfung legte er im Jahre 1927, die zweite Staatsprüfung im Jahre 1930 ab. Danach arbeitete er als Gerichtsassessor in Eichstätt, bis er zum 1. Juli 1932 zum II. Staatsanwalt in Nürnberg ernannt wurde. Am 1. Mai des Jahres 1933 wurde er aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 in den Ruhestand versetzt. Nach diesem Gesetz wurden Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Tätigkeit nicht die Gewähr dafür boten, jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat einzutreten, "Beamte nichtarischer Abstammung" sowie diejenigen Beamten, die nach 1918 in den Beruf eingetreten waren, ohne die für die Laufbahn übliche Vorbildung vorweisen zu können, entweder in den Ruhestand versetzt oder aus dem Dienst entlassen. Aufgrund dieser Maßnahme nahm Dr. Meuschel weitere Studien im kaufmännischen, volkswirtschaftlichen und medizinischen Bereich auf und absolvierte einen Auslandsaufenthalt. Anschließend übte er eine Tätigkeit im Versicherungsrecht aus. 1938 fand er in Baden-Württemberg Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer pharmazeutischen Fabrik im Außendienst. Diese Tätigkeit unterbrach er zur Ausübung des Wehrdienstes. Schließlich wurde er noch in Kriegszeiten als Abteilungsleiter in einem Fabrikationsbetrieb tätig. Nach dem Krieg nahm Dr. Meuschel zunächst kurzzeitig eine Tätigkeit als Referent der Industrie- und Handelskammer Nürnberg auf, bevor er am 1. Januar 1946 - ebenfalls in Nürnberg - zum Oberstaatsanwalt ernannt wurde. Dieses Amt behielt er bis zu seiner Ernennung zum Landgerichtspräsidenten in Landshut am 1. Januar 1950 bei. Dr. Meuschel war deutsches Mitglied des Ausschusses für die amerikanische Zone. Aufgabe dieses Ausschusses war es, Empfehlungen für Begnadigungen oder vorläufige Freilassungen von Kriegsverurteilten zu geben. Während seiner Tätigkeit im Ausschuss, im Jahre 1953, befanden sich im amerikanischen Gewahrsam in Landsberg noch 320 Kriegsverurteilte. Im Herbst des Jahres 1956 wurde Dr. Meuschel zum Ersten Vorsitzenden des Bayerischen Richtervereins gewählt und behielt dieses Amt bis zu seiner Wahl zum Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes bei, die am 7. Mai 1960 im Richterheim in Fischbachau durch die Vertreterversammlung erfolgte. Zugleich konnte die Vertreterversammlung die Aufnahme des Vereins der Bundesrichter beim Bundesarbeitsgericht beschließen. In den folgenden Jahren wurde der Bund der Richter der Arbeitsgerichtsbarkeit und der Verein der Bundesrichter beim Bundessozialgericht in den Deutschen Richterbund aufgenommen. In die Zeit des Vorsitzes Dr. Meuschels fiel die Verabschiedung des Deutschen Richtergesetzes durch den Bundestag am 14. Juni 1961. Dr. Meuschel stand dem 11. Deutschen Richtertag zum Thema "Justiz und Öffentlichkeit" vor, der am 18. und 19. Oktober 1963 in Kassel stattfand. Erörtert wurde das Verhältnis zwischen Medien und Justiz, wobei vom Deutschen Richterbund die Position bezogen wurde, es sei von Seiten der Richterschaft vorbehaltlose Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Medien vorhanden. Am 1. April 1964 wurde Dr. Meuschel zum Landgerichtspräsidenten in München II ernannt. Mit dem 31. Januar 1969 trat er hier in den Ruhestand. Für seine besonderen Verdienste um den Deutschen Richterbund verlieh die Vertreterversammlung Dr. Meuschel auf der Versammlung in Hamburg am 6. November 1965 die Ehrenmitgliedschaft im Vorstand des Deutschen Richterbundes. Am 23. Dezember 1975 verstarb Dr. Meuschel in Nürnberg im Alter von 72 Jahren.