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30.10.2014

Dr. Ernst Grosser - Bundesvorsitzender von 1955 bis 1959

Dr. Grosser wurde am 28. Mai 1901 als Sohn eines Rechtsanwaltes und späteren Justizrates geboren. Er studierte Rechtswissenschaften von 1920 bis 1924 an den Universitäten München und Kiel, promovierte 1925 magna cum laude zum Doktor der Rechte und legte 1927 die Staatsprüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst ab. Vom 19. April 1928 an wirkte er zunächst als Gerichtsassessor und III. Staatsanwalt im Bayerischen Staatsministerium der Justiz, seit 1. Februar 1929 als II. und III. Staatsanwalt beim Landgericht Augsburg. Zum 1. September 1930 wurde er als Amtsgerichtsrat an das Amtsgericht München versetzt. Vom 1. April 1934 bis 15. Februar 1956 war er Erster Staatsanwalt beim Landgericht München I und bei der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht München. Im August 1941 wurde Dr. Grosser als Leutnant der Reserve zum Kriegswehrdienst einberufen und geriet im Juni 1944 in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr im Januar 1946 bekleidete er zunächst weiter das Amt des Ersten Staatsanwaltes beim Landgericht München I, bis er zum 1. Juli 1948 als Oberstaatsanwalt beim Bayerischen Obersten Landesgericht ernannt wurde. Während seiner Amtszeit war er als Mitglied des Landesjustizprüfungsamtes von 1947 bis 1956 in Bayern Prüfer sowohl für das erste, wie auch für das zweite juristische Staatsexamen. Seit 1952 war Dr. Grosser Vorsitzender des Bayerischen Richtervereins. Als stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Richterbundes wirkte er unter dem Vorsitz Dr. Konrads. Erstmals 1952 wurde er zum Pressereferenten berufen, 1953 wurde er, zunächst als Kassenwart, in den Bundesvorstand gewählt. Seit seiner Bestellung zum ständigen Vertreter des Vorsitzenden im Oktober 1955 übte er das Amt des Vorsitzenden faktisch aus, da Dr. Konrad erkrankt war und die Geschäfte nicht selbst wahrnehmen konnte. Nach dessen Tod wurde er auf der Vertreterversammlung in Fischbachau am 16. Oktober 1955 zum Vorsitzenden gewählt. Dr. Grosser wirkte auf interne Änderungen beim Deutschen Richterbund hin und war neben dem Vorantreiben des Erlasses eines Richtergesetzes und der weitergehenden Einbindung aller Gerichtsbarkeiten und Staatsanwälte in den Deutschen Richterbund bestrebt, ein gutes gegenseitiges Verhältnis zwischen Richterschaft und Anwaltschaft zu fördern. Am 16. Februar 1956 wurde Dr. Grosser zum Amtsgerichtspräsidenten in München ernannt. Der unter dem Vorsitz Dr. Grossers am 6. Oktober 1956 in Heidelberg zum Thema "Richtergesetz und Rechtspflegeministerium" abgehaltene 9. Deutsche Richtertag war der erste nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführte und beschäftigte sich erneut mit dem Anliegen, endlich ein Richtergesetz zu schaffen, in dem auch Rechtsstellung und Umfang der Weisungsgebundenheit der Staatsanwälte festgelegt sein sollten. 1956 erfolgt auch die Aufnahme des Vereins der Richter und Staatsanwälte im Saarland zum Deutschen Richterbund. Am 10. Oktober 1959 fand in Würzburg zugleich die Feier anlässlich des 50-jährigen Bestehens des DRB, die Dr. Grosser intensiv vorbereitet hatte, mit dem 10. Deutschen Richtertag zum Thema "Aufgabe und Bedrängnis des Richters" statt. Auf der gleichzeitig abgehaltenen Vertreterversammlung am 9. Oktober 1959 wurde Dr. Grosser erneut zum Vorsitzenden des Deutsche Richterbundes gewählt, dies jedoch in seiner Abwesenheit, da er plötzlich erkrankt war. Die Vertreterversammlung äußerte tiefes Bedauern darüber, dass noch kein Deutsches Richtergesetz verabschiedet wurde. Zugleich konnte die Aufnahme des Fachverbandes der Berufsrichter der Sozialgerichtsbarkeit und der Vereinigung der Wehrdienstrichter und Wehrdisziplinaranwälte beschlossen werden. Zur Stunde des Beginns der 50-Jahr-Feier am 10. Oktober 1959 verstarb Dr. Grosser im Alter von 58 Jahren. Am 13. Oktober 1959 wurde er auf dem Münchener Waldfriedhof begraben.